Geschichte des Schienennahverkehrs in Deutschland
Veröffentlicht am 07. Aug, 2011 von IC Bahn in Bus und Bahn | Keine Kommentare
Der Schienennahverkehr ist ein zentraler Baustein des öffentlichen Verkehrsnetzes. Täglich transportieren Regionalzüge und S-Bahnen Hunderttausende Menschen. Vor allem für Pendler ist dieses Angebot unabdingbar und entlastet so die Straßen.
Definition Schienennahverkehr
Der Begriff Schienennahverkehr könnte dahin gehend missverstanden werden, dass die Länge einer Strecke als alleiniges Definitionsmerkmal angesehen wird. Dem ist allerdings nicht so. Es ist gut möglich, dass mit Fahrzeugen des Schienennahverkehrs die gleichen Strecken zurückgelegt werden können, wie mit Zügen des Fernverkehrs.
Entscheidend ist vielmehr, wer eine Strecke befahren darf. Das bestimmen die beteiligten Akteure auf der Anbieterseite, sowie die oberste Bundesbehörde, das Eisenbahn-Bundesamt, beziehungsweise die entsprechenden Landesbehörden. Die Abgrenzung zwischen beiden Bereichen ist also in der Organisation des Eisenbahnverkehrs begründet. In anderen Staaten gibt es diese nicht, auch in der deutschen Eisenbahngeschichte gibt es sie erst seit wenigen Jahrzehnten. Ob es sich nun um die eine oder andere Variante handelt, erkennt der Kunde am Zugtyp. Fahrzeuge des Schienennahverkehrs sind Regionalbahnen, Regio-Expresse, Interregio-Expresse, sowie S-Bahnen. Für Kunden ist das in zweierlei Hinsicht relevant. Diese Züge sind zwar aufgrund geringerer Leistung und häufigeren Aufenthalten langsamer als Fernverkehrszüge wie zum Beispiel ICs und ICEs, dafür aber auch billiger. Zudem sind einige Bahnangebote, zum Beispiel das beliebte Schöne-Wochenendticket und Ländertickets, auf den Schienennahverkehr beschränkt.
Das 19. Jahrhundert
Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts durchlebte das damalige Deutsche Reich eine rasante wirtschaftliche Entwicklung, die als Industrialisierung bezeichnet wird. Die Eisenbahn hat daran in zweifacher Hinsicht starken Anteil: Erstens ermöglichte sie den Transport von Industriegütern zwischen Produktions- und Nachfragestätten. Zweitens war der Ausbau der Eisenbahninfrastruktur zum Gütertransport und zur Personenbeförderung selbst Motor der Industrialisierung, indem dafür zum Beispiel große Mengen an Stahl benötigt wurden. Zudem eröffnete die Eisenbahn eine ganz neue Dimension an Mobilität, selbst die Bewältigung kürzere Distanzen war damals mit erheblichen Umständen und sehr langen Fahrzeiten verbunden. Die Eisenbahn wurde so zum Gegenstand einer umfassenden Fortschrittshoffnung. Zwar gab es damals den Begriff des Schienennahverkehrs noch nicht, dafür konnten aber die ersten Strecken als solche angesehen werden. So wurden beispielsweise 1835 die beiden nahe gelegenen Städte Nürnberg und Fürth miteinander verbunden. Kurze Zeit später folgten die Strecken Zehlendorf – Potsdam, Braunschweig – Wolfenbüttel und Düsseldorf – Erkrath. Sukzessive wurden die Eisenbahnlinien ausgebaut, die Fahrgastzahlen stiegen dementsprechend. Auch der Staat engagierte sich zunehmend im Bereich der Personenbeförderung.
Der regionalisierte Schienennahverkehr
Bis 1996 lag die Verantwortung für die Organisation des Schienennahverkehrs beim Bund. Mit dem sogenannten Regionalisierungsgesetz übertrug der Bund die Kompetenz auf die Bundesländer beziehungsweise gegebenenfalls an Zweckverbände, die gemeinschaftlich von Kommunen betrieben wurden und werden. Dieser Aufgabenzugewinn bedeutete, dass diese Institutionen Bahnleistungen bei entsprechenden Unternehmen bestellen oder durch Eigenbetriebe selbst erbringen mussten. Die große Anzahl an Zweckverbänden hat zur Folge, dass viel Koordinierung zwischen den einzelnen Beteiligten erbracht werden mussten. Reisende nutzen die Züge nämlich nicht nur innerhalb der jeweiligen Verbandsgrenzen, sondern auch darüber hinaus. Das führt zum Beispiel zur Herausforderung, Fahrten bei der Benutzung mehrerer verschiedener Züge untereinander abzurechnen. Für Sie bleibt das System glücklicherweise übersichtlich: Es reicht nach wie vor, wenn Sie lediglich eine Fahrkarte für mehrere Fahrten kaufen.
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