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Sind Fernbusse eine Alternative zur Bahn?
Veröffentlicht am 04. Aug, 2011 von IC Bahn in Bus und Bahn | Keine Kommentare
Das Bundeskabinett hat die gesetzlichen Regelungen für Fernbuslinien deutlich liberalisiert: Diese Meldung erfuhr im August 2011 ein starkes Medienecho. Über Jahrzehnte hinweg wurden kaum Fernbusverbindungen genehmigt, nun wird sich das Angebot für die Kunden voraussichtlich erheblich erweitern.
Der Fernbusverkehr
Viele Busunternehmen haben auf diese gesetzliche Änderung seit vielen Jahren gewartet, nun ist es so weit: Künftig können bei Strecken über 50 km private Unternehmer Fernbuslinien einrichten. Sie bedürfen dazu weiterhin einer behördlichen Genehmigung, diese soll aber grundsätzlich erteilt werden. Bisher war dieser Sektor des Verkehrs stark reglementiert. Solche Linien wurden nur in Ausnahmefällen erlaubt. Es galt das Prinzip, dass Bahnverbindungen vor dieser Konkurrenz zu schützen seien. Die Befürchtung war nämlich, dass Fernbusse der Bahn Kunden abwerben und somit bestimmte Strecken für diese unwirtschaftlich werden. Man nahm an, dass die Bahn deshalb betroffene Verbindungen einstellen würde. Fernbusse wurden darum nur auf Strecken erlaubt, bei denen nach Ansicht der Genehmigungsbehörde ein begründeter Bedarf bestand. Das traf zum Beispiel zu, wenn es dort keine Bahnlinie gab oder die Fahrzeit eines Busses kürzer als diejenige der Bahn war. Bisher bekannte Fernbusverbindungen sind unter anderem Hamburg – Berlin und Berlin – Dresden.
Fernbusse als Konkurrenz für Bahn und Fluggesellschaften
Bahn- und auch Fluggesellschaften sehen die neue, liberale Regelung für Fernbusse mit Sorge. Sie sehen sich damit einer Konkurrenz ausgesetzt, die Kunden abwerben könnte. In der Tat haben Fernbusse einen Kostenvorteil, den sie ihren Fahrgästen weitergeben. Das zeigen die bereits bestehenden Linienverbindungen, die vor allem im Gegensatz zu Bahnangeboten oftmals deutlich billiger sind. Allerdings muss auch bedacht werden, dass Busse hinsichtlich Fahrzeit und Komfort nicht mit Bahn und Flugzeugen mithalten können. So dürfte eher unwahrscheinlich sein, dass zum Beispiel massenweise Nutzer von ICE-Verbindungen auf Fernbusse umsteigen. Potenzial besteht eher bei Fahrern, die bisher mittellange Strecken mit Regionalbahnen absolviert haben. Ist eine solche Fahrt mit mehrmaligem Umsteigen verbunden, kann eine Busreise im Vergleich auch bezüglich der Fahrzeit attraktiv sein. Ebenfalls interessant könnten Fernbusse für all jene sein, die bisher Mitfahrgelegenheiten nutzen. Hier haben Buslinien den Vorteil der Zuverlässigkeit. Auch viele Autofahrer könnten sich angesprochen fühlen: Angesichts hoher Spritpreise ist eine Busreise oftmals billiger als die Nutzung eines Autos durch nur eine Person.
Zukunft des Fernbusverkehrs
Es bleibt aber abzuwarten, auf welchen Strecken künftig überhaupt Fernbusse verkehren werden. Auch die Anzahl der Unternehmen, welche diesen Markt nutzen wollen, ist noch völlig offen. Es ist aber damit zu rechnen, dass vor allem Routen zwischen Großstädten Gewinne abwerfen könnten und deshalb befahren werden. Unklar ist jedoch, wie sich die politischen Rahmenbedingungen entwickeln werden. Die vom Bundeskabinett getroffene Neuregelung ist nämlich nicht unumstritten: So kritisieren einige Parteien und Verbände, dass Fernbusse im Vergleich zur Bahn bevorzugt werden. Sie argumentieren mit der Maut-Befreiung auf Autobahnen für Busse, während Züge dagegen Schienenmaut zahlen müssen. Sollte sich diese Meinung durchsetzen, könnten Busunternehmen höhere Kosten drohen. Momentan ist das aber nicht abzusehen. All jene, die längere Strecken quer durch Deutschland zurücklegen müssen, können sich derweil über eine weitere Alternative freuen. Es ist empfehlenswert, vor jeder Fahrt die verschiedenen, für einen akzeptablen Möglichkeiten durchzurechnen.
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